Chinesischer Flussdelfin (Lipotes vexillifer, Baijitun, 白鱀豚)
Vermutlich muss der chinesische Flussdelfin bereits als ausgestorben betrachtet werden. Jedenfalls hat Ende 2006
ein internationales Forscherteam vergebens versucht ein lebendes Exemplar ausfindig zu machen. Auch gibt es keine in Gefangenschaft lebenden chinesischen Flussdelfine. Diese Nachricht wirkt umso bitterer, als die UNO
2007 zum
Jahr des Delfins ausgerufen hat. Der chinesische Flussdelfin ist der einzige Vertreter seiner Gattung (Lipotes). Weitere, stark bedrohte Flussdelfinarten kommen im Ganges, im Amazonas, sowie im Rio de Plata vor.
Die Heimat des chinesischen Flussdelfins ist der größte Fluss Chinas, der Changjiang (长江), oder auch Yangtse. Doch im Zuge der massiven Industrialisierung Chinas, gerade entlang des Flussdeltas, verschlechterten sich die Lebensbedingungen des Delfins dramatisch. Der Changjiang ist heute wohl einer
der am stärksten verschmutzten Flüsse weltweit und zudem völlig überfischt. Für viele der Delfine mögen auch die Schiffsschrauben der Frachtschiffe auf dem verkehrsreichen Fluss verhängnisvoll gewesen sein.
Auch der Bau des Drei-Schluchten-Staudamms (Sanxia Daba, 三峡大坝) hat den Lebensraum der Flussdelfine beschränkt, indem durch ihn ein mehrere hundert Kilometer langes Teilstück des Flusses für die Delfine unbewohnbar gemacht wurde.
Douglas Adams über den chinesischen Flussdelfin:
"Inmitten einer der größten, längsten, lautesten, dreckigsten Wasserstraßen der Welt lebt die Reinkarnation einer betrunkenen Prinzessin oder, besser, leben zweihundert Reinkarnationen betrunkener Prinzessinen. Ob es sich dabei tatsächlich um zweihundert
verschiedene Reinkarnationen derselben Prinzessin oder um Reinkarnationen von zweihundert verschiedenen betrunkenen Prinzessinen handelt, ist der Legende nicht eindeutig zu entnehmen, und leider sind auch keine Statistiken, wie häufig Prinzessinen ertrinken, erhältlich, die
ein bißchen Licht in die Angelegenheit bringen könnten.
Falls sie alle dieselbe ertrunkene Prinzessin sind, muß diese ein ausgesucht sündhaftes Leben geführt haben, um sich die ständig wiederkehrende Bestrafung, unter den derzeitigen Umständen zu leben, verdient zu haben.
Ihre Reinkarnationen werden regelmäßig von Schiffsschrauben zerstückelt, in Fischernetzen voll Haken verwickelt, geblendet, vergiftet und betäubt."
Zitat aus: Adams, Douglas; Carwadine, Mark: Die Letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde. Wilhelm Heyne Verlag, München 2006. (S. 183)
Anmerkung: Adams war 1988 in China gewesen, zu diesem Zeitpunkt mag es tatsächlich noch zweihundert lebende Exemplare im Changjiang gegeben haben.